Die Geschichte der Schmiedekunst

I. Antike

Bereits die Ägypter verfügten Über Waffen, Sicheln und Schiffsbeschläge aus Eisen. So stammt das älteste bisher gefundene Eisenstück aus der Pyramide des Cheops. Sein Alter wird auf 4900 Jahre geschützt.
Der Werkstoff Eisen war aber auch in Assyrien und Babylon sowie in Phänizien und Palästina bekannt. So taucht beispielsweise in der Bibel Tubalkain auf, der ein Schmied war (Moses I, 4,22).
Die Chinesen datieren die Erfindung des Stahls auf 2000 v.Chr. Damals wurde auch indischer Stahl sehr bekannt.
Aus dem Orient und Ägypten wurde das Wissen nach Griechenland getragen. So nutzten auch die Römer und Griechen Eisen; nichtsdestotrotz sind nur wenige Fundstücke aus dieser Zeit gefunden worden. Bemerkenswert ist aber, dass die Griechen das Eisen nicht nur für Waffen und Ackerbau verwendeten, sondern daraus auch kunstvolle Gefäße,Ringe, und Statuen fertigten. Solche wurden unter anderem auch bei etruskischen und römischen Gräberfunden entdeckt.
Man erkannte aber sehr schnell, dass Eisen stärker der Korrosion ausgesetzt war als Bronze. Folglich verwendete man Eisen und Stahl aufgrund ihrer Härte weiterhin für Gebrauchsgegenstände wie Werkzeuge und Waffen. Für Prunk- und Luxusgegenstände wählte man dagegen vorzugsweise Bronze.
Für eindeutig künstlerische Formen entschied man sich nur ausnahmsweise.
Gusseisen war auf Grund der mangelnden technischen ähigkeiten zu dieser Zeit noch unbekannt.

II. Mittelalter

Mit dem Untergang des Römischen Reichs ging zwar auch das bis dahin gewonnene Wissen der Schmiedekunst wieder verloren. Aber diese Tatsache hat geschichtlich nur eine untergeordnete Bedeutung, da das Gebiet der Schmiedekunst ohnehin noch weitgehend unerschlossen war. Dies ist nicht zuletzt auf zahlreiche Kriege zurückzuführen, die die Aufmerksamkeit der Schmiedetechnik eher in Richtung Entwicklung modernerer Waffen lenkten, sodass die Schmiedekunst ansich wenig gefördert wurde.
Daher blieb es dem Mittelalter vorbehalten, die Schmiedetechnik selbständig zu gestalten und für diese einen Stil zu finden, der mit dem vorangegangenen aus der Antike kaum etwas gemein hat.
Es ist schon bewundernswert, welch fein ausgearbeitete Kunstschmiedewerke mit doch so einfachen Werkzeugen (Hammer und Ambos) in dieser Zeit entstanden sind.
Ab etwa dem 10. Jahrhundert prägte die Kunstschmiedetechnik bereits in hohem Maße Architektur und Gewerbe. Und so nutzte auch die Kirche sehr schnell die Dienste der neuen Technik für Türen, Tore, Truhen, Fenstergitter und Leuchter.
Die äußere Erscheinung der romanischen Schmiedearbeiten war aber noch wenig aufwendig. Einfache Teile wurden schlicht zusammengeschweisst. Erst mit dem Übergang zur Gotik gewann die Nietung an Bedeutung. Mit der Zeit stellte man zierliche Kronleuchter, Laternen, reiche Schloßbeschläge und ornamental ausgestattete Schlüssel her.
Im Ganzen betrachtet kann man nicht behaupten, die Schmiedekunst im Mittelalter habe die künstlerische Wirkung späterer Epochen erreicht. Es ist aber bemerkenswert, mit welch primitiven Mitteln doch so hervorragende Leistungen erzielt wurden.

III. Renaissance

Die Inhalte des Zeitalters der Renaissance - Freiheit des Geistes, eine neue, lebensfreudigere, offenere Weltanschauung - spiegelten sich auch in der Kunst dieser Epoche wieder. Dennoch traten die Stilwandlungen im Bereich der Schmiedekunst nur graduell auf, was zu einer Vermischung, einem Ineinandergreifen des vorangegangenen und des nachfolgenden Stils führte. Gotische Schmiedeeisenelemente waren noch bis Ende des 15.Jahrhunderts keine Seltenheit und waren oft begleitet von Ornamenten des Renaissancestils. Doch gerade diese Tatsache verleiht den Kunstgegenständen dieser Zeit eine reizvolle Einzigartigkeit.
Im Gegensatz zum Mittelalter, das noch überwiegend damit beschäftigt war, die konstruktiven Grundlagen der Kunstschmiedetechnik zu schaffen, Übertraf die Schmiedekunst in der Renaissance alles bisher Dagewesene in Sachen Ästhetik und Formgebung.

IV. Barock

Der Übergang der Epoche der Renaissance hin zur Epoche des Barock war fließend und bei weitem unscheinbarer als der Übergang vom Mittelalter zur Renaissance.
Im Zeitalter des Barock eröffneten neue Techniken auch neue Möglichkeiten in der Schmiedekunst. Man setzte vorwiegend auf prunkende, große Wirkung. Das Rundeisen wurde ersetzt durch das Kanteisen. Es traten vermehrt feine Blattschnitte und geometrische Verschlingungen auf.
Mit dem Streben nach Prunk, Opulenz und Großartigkeit war der Barockstil vorallem in Fürstenhäfen weit verbreitet.

V. Rokoko

Im 18. Jahrhundert entwickelte sich der Kunststil des Rokoko.
Das Wort "Rokoko" leitet sich von "rocaille" ab, das Grotten- oder Muschelwerk bedeutet und bereits sehr viel Über die Eigentümlichkeit des Stils verrüt.
Mit Ende des 30jährigen Krieges verlor die deutsche Schmiedeeisenkunst viel an ihrer Eigenständigkeit, die sie seit dem Mittelalter auszeichnete. Kunst wurde fast ausschließlich an Fürstenhäfen gepflegt. Doch mit der Einbürgerung französicher Sitten an den Häfen wurde auch der Einfluss französischer Kunst unverkennbar.
Charakteristisch für die Kunst dieser Zeit waren vor allem dekorative Verschnörkelungen. Strenge und Starrheit verschwanden sowohl in Architektur als auch in der Schmiedekunst und wichen einer neuen, dekorativen, üppigen Gestaltung. Wie bereits im Barock ist die Kleinkunst aus Eisen unbedeutend. Das Eisen war für viele Gegenstände nicht mehr vornehm genug und wurde deshalb häufig ersetzt durch Messing und Bronze.

VI. Heutige Zeit

Durch die Französische Revolution wurde nicht nur der französische Einfluß in vielen Völkern Europas zurückgedrängt, auch die Blüte der Schmiedekunst schien ihr vorläufiges Ende erreicht zu haben. Die Kunstschmiedetechnik erhielt kaum neue Impulse und wurde mehr und mehr durch die sich rasant verbreitende Gußeisentechnik ersetzt. Die Schmiedekunst wurde schon fast für tot geglaubt als in diesem Jahrhundert das Kunsthandwerk unerwartet wiedererwachte und aufblühte. Man kam zur Überzeugung, dass Schmiedeeisen ein wirksameres kunstgewerbliches Material sei als Gusseisen. Zwar kännen durch Eisenguss große Mengen billig produziert werden. Jedoch bringt diese Massenproduktion einen Verlust der Individualität mit sich. Jedes Schmiedeeisen, dagegen, verfügt über eine Einmaligkeit, das es von jedem anderen unterscheidet.

"Die Spuren des Hammers, des Meißels, der Zange zu verwischen, wäre also für den Kunstschlosser gleichbedeutend mit einer Entwertung resp. einer Heruntersetzung des Wertes seiner Arbeit."
- Dr. Max Metzger


Weitere Zitate

"Die Kunst ist eine Sprache des Geistes und offenbart dessen Wesen nach einer bestimmten Richtung. [...] Wer die Sprache der Kunst versteht, kann aus einem Stil auf den Charakter des Volkes schließen. Der Stil wird nicht 'erfunden', sondern die ganze Kulturstufe verleiht den Werken desselben unbewußt und unwillkürlich den Charakter."
- Dr. Max Metzger

"Wenn wir heute in einem bestimmten Stile arbeiten wollen, so verstehen wir darunter die Wiedergabe der Art und Weise, die einer bestimmten verflossenen Zeitperiode in der künstlerischen Darstellung, Auffassung und Ausdrucksweise der zwecklichen Bestimmung eines Gegenstandes eigen war."
- Dr. Max Metzger

"Die Erzeugnisse des gewöhnlichen Lebens entbehrten lange des künstlerischen Empfindens, sie geben heute noch oft geistlose Kopien herkömmlicher Formen ohne Verständnis. Doch gehört zu den erfreulichen Anzeichen unserer Zeit, daß es damit allmählich besser wird."
- Dr. Max Metzger

"An den Erzeugnissen der Schlosserkunst [...] zeigt sich das feine Gefühl für schöne Linien, die Lust an der Schmuckbetätigung, die sich dem Material abgewinnen läßt und die bis zur äußersten Grenze des Möglichen geführt wird, und doch sich bei glänzender, oft überraschender Wirkung auf möglichst einfache, naturgemäße Herstellungsweise beschränkt."
- Dr. Max Metzger

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